Das Isarmärchen

“Wer kennt sie nicht, die schöne Stadt, die jeder tief im Herzen hat, jeder, der sie einmal geseh’n,” so textet es Mitte des 20. Jahrhunderts Bally Prells Vater auf ihre Lippen. Inzwischen hat diese “heimliche Hymne” Münchens eine Japanerin für sich entdeckt: Nami von Coconami.

von Franziskus Büscher

Nami Kamata
Foto: Gerald von Foris

Wie weit würden Sie für ein Stück Brot reisen? Über 9000 km? Die Mutter von Nami Kamata hat es getan. Ohne diese Liebe zur deutschen Backkunst und einer Volksmusik-CD wäre vermutlich auch Nami niemals in München gelandet. Inzwischen fühlt sie sich wohl in der Stadt am Isarstrand und hat deshalb auch die heimliche Stadthymne mit japanischen Klängen aufgepeppt.

Für ein Stück Brot von Japan nach Deutschland

Eigentlich lebt Namis Familie in Tokio und in Fukushima (ja, dem Fukushima, das jeder mit der Atomkatastrophe verbindet). Zum Abendessen serviert Namis Mutter neben Reis und Nudeln gerne auch mal Brot: deutsches Brot. Die preußische Backkunst liebt sie so sehr, dass sie eines Tages die Koffer packt und nach Deutschland fährt, um das mit dem Brotbacken noch genauer herauszufinden. Jetzt will auch Nami wissen, welche Menschen da in Europa ihre Mutter so begeistern. Von ihrem Opa kennt sie zumindest einen Teil der europäischen Kultur: Volksmusik. Auf einer CD, die der Arzt von einer Deutschlandreise mitgebracht hat, ist sie drauf.

Von der Oper an die Isar

Namis Traumberuf zu dieser Zeit ist: Opernsängerin. Sie übt fleißig deutsche Kunstlieder und will im Land der klassischen Musik schließlich auch studieren. Deswegen kommt sie an die Musikhochschule nach Düsseldorf. Doch die Stimme macht nicht mit. Statt für Gesang, schreibt sie sich am Ende für Musikpädagogik ein.

Erst in München landet sie dann doch noch auf der Bühne. Ein Freund spricht sie beim Abendessen im Jahr 2006 auf ihre Sängerkarriere an. Nami überlegt nicht lange und gründet mit Mitsuyoshi Miyajima, genannt Miyaji, die Band Coconami. Seitdem sucht sie zwischen den Isarauen nach “Heimat” und hat diese auch im “Isarmärchen” von Bally Prell gefunden. Wie die einstigen Volkssänger ist sie “neu” in der Stadt, verkörpert jetzt aber auch den “globalisierten” Münchner von heute.

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